![]() Rom, 1992 (© F. Wegner) |
KOPFLOS ist nicht herzlos. Wenn der Kopf eine Waage aus Italien ist oder eine Tüte
aus dem billigen Lebensmittelgeschäft von nebenan oder der Autoreifen
eines ausrangierten Altzeitlers (neuhochdeutsch: Oldtimer): mit welchem
Körperteil würde der Mensch denken, würde er das Gewicht
seiner Gedanken bewerten, wenn die Gedanken außerhalb seines Körpers
ein Eigenleben führen und zu Fuß durch die Straßen gehen? Ein einziges Chaos würde ausbrechen. Die Gedanken der Kopflosen Leute würden sich verschwistern und verbrüdern, ungeahnte Ehen eingehen, wenn sie aus den kleinen Gefängnissen ihres Kopfes befreit würden und sie bildeten Verbindungen, auf die ein Mensch im Leben nicht kommen würde. Es gäbe keine Kopfgeburten mehr, die losgelöst vom übrigen Kreislauf Eigensinn produzierten, weil es keinen Privatbesitz an Sinn mehr geben würde. Keiner hätte die Weisheit für sich gepachtet oder gar gemietet und das Monopol ("Wissen ist Macht") wäre ein für alle Mal aufgehoben. Ein schöner Zustand: Die Welt wäre keiner Ordnung unterworfen, keinem logischen Prinzip. Die Relativitätstheorie Einsteins könnte als Bachsche Fuge aus einer Art Halsbauch gesungen werden und die Abstammungslehre ginge flöten, weil Fische Orgel spielten und ein Elefant im Porzellanladen allen Ernstes Tassen und Teller sortieren könnte, ohne daß die frühere Reinemachefrau die Scherben auffegen müßte. Die hierachischen Selbstverständlichkeiten würden im wahrsten Sinne des Wortes auf den ehemaligen Kopf gestellt. Der Kopf würde ein gewisses Eigenleben führen können und vielleicht etwas erfinden, was wir alle noch nicht kennen. Ohne den einengenden Einfluß der freiliegenden Gefühle würde er Straßenbahnen fliegen lassen, während das Herz die gedankenlose Entscheidungsfreiheit darüber hätte, wem es sich zuwenden könnte. Das Regententum des Kopfes wäre beendet (Wer behauptet, daß das Haupt überhaupt die Regierung über den übrigen Körper behalten sollte?) und das Eigenleben der Organe leitete die biologische Weltrevolution ein: Die Gedanken sind frei und die Gefühle sind los. Und beide könnten sich in einer Art freien Verbindung miteinander verbinden. Eine mögliche, positive Assoziation , die sich mit diesen Fotos verbindet. Eine andere, viel bösere, sei dem Betrachter anheimgestellt. Peter Brasch Mai 1998
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![]() Chicago 1992 (© F. Wegner) |
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![]() New York, 1995 (© F. Wegner) |
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![]() Wien, 1995 (© F. Wegner) |
![]() New York, 1998 (© F. Wegner) |
![]() London, 1994 (© F. Wegner) |